Verkehrswertgrenze bei Zwangsversteigerungen: Übersicht über 5/10 und 7/10 im Vergleich

Verkehrswertgrenze bei Zwangsversteigerungen: Übersicht über 5/10 und 7/10 im Vergleich
Wer sich zum ersten Mal mit dem Thema Zwangsversteigerung beschäftigt, stößt schnell auf zwei Begriffe, die für den erfolgreichen Erwerb einer Immobilie entscheidend sind: die 5/10-Grenze und die 7/10-Grenze. Beide Wertgrenzen sind im Zwangsversteigerungsgesetz (ZVG) gesetzlich verankert und schützen sowohl Gläubiger als auch Schuldner vor einer Verschleuderung des Grundstücks. Für Bieter wiederum bestimmen diese Grenzen, ob und zu welchem Preis ein Zuschlag überhaupt möglich ist.
In diesem Beitrag erfahren Sie, was hinter der Verkehrswertgrenze bei Zwangsversteigerungen steckt, wie sich 5/10 und 7/10 unterscheiden und welche strategischen Überlegungen Sie als Interessent kennen sollten.
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Was ist der Verkehrswert bei einer Zwangsversteigerung?
Bevor ein Objekt beim Amtsgericht versteigert wird, beauftragt das Gericht einen Sachverständigen, der ein Verkehrswertgutachten nach § 74a Abs. 5 ZVG erstellt. Der so ermittelte Verkehrswert entspricht grundsätzlich dem Marktwert im Sinne von § 194 BauGB und bildet die zentrale Rechengrundlage für die Wertgrenzen im Versteigerungstermin.
Wichtig: Der Verkehrswert wird durch gerichtlichen Beschluss festgesetzt. Gegen diese Festsetzung ist innerhalb von zwei Wochen die sofortige Beschwerde möglich – ein oft übersehener Punkt für Schuldner und Gläubiger.
Auf Basis dieses Verkehrswerts berechnen sich die beiden Schutzgrenzen:
- 5/10-Grenze = 50 % des Verkehrswerts
- 7/10-Grenze = 70 % des Verkehrswerts
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Die 5/10-Grenze nach § 85a ZVG
Die 5/10-Grenze ist die absolute Untergrenze im ersten Versteigerungstermin. Sie schützt den Schuldner vor einem völligen Ausverkauf seiner Immobilie.
Rechtsgrundlage und Wirkung
Nach § 85a ZVG ist der Zuschlag von Amts wegen zu versagen, wenn das Meistgebot einschließlich der bestehenbleibenden Rechte weniger als 50 % des Verkehrswerts beträgt. Das Gericht prüft dies eigenständig, ohne dass ein Antrag erforderlich ist.
Praktische Folgen
- Bleibt der Höchstbietende unter 50 %, wird der Zuschlag versagt.
- Es kommt zu einem zweiten Termin, in dem die 5/10-Grenze nicht mehr gilt.
- Im zweiten Versteigerungstermin können Immobilien theoretisch für 1 Euro über dem geringsten Gebot ersteigert werden.
Expertentipp: Wer strategisch bieten möchte, sollte prüfen, ob der erste Termin bereits stattgefunden hat. Nur dann ist ein sehr niedriger Zuschlag im Folgetermin überhaupt realistisch.
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Die 7/10-Grenze nach § 74a ZVG
Die 7/10-Grenze schützt vorrangig die Gläubiger, deren Rechte durch einen zu niedrigen Zuschlag ausfallen würden.
Rechtsgrundlage und Wirkung
Nach § 74a ZVG kann ein Gläubiger, dessen Anspruch durch das Meistgebot nicht voll gedeckt ist, die Versagung des Zuschlags beantragen, wenn das Gebot unter 70 % des Verkehrswerts liegt. Anders als bei der 5/10-Grenze prüft das Gericht dies nicht von Amts wegen – ein ausdrücklicher Antrag ist erforderlich.
Praktische Folgen
- Liegt das Meistgebot zwischen 50 % und 70 %, ist der Zuschlag nur mit Zustimmung des benachteiligten Gläubigers sicher.
- Häufig wird der Zuschlag versagt und ein neuer Termin anberaumt.
- Auch die 7/10-Grenze entfällt im zweiten Termin.
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5/10 vs. 7/10 im direkten Vergleich
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Wann entfallen die Wertgrenzen?
Beide Grenzen gelten ausschließlich im ersten Versteigerungstermin. Wurde in einem ersten Termin der Zuschlag wegen Unterschreitens der 5/10- oder 7/10-Grenze versagt, entfallen diese Schutzvorschriften im Folgetermin vollständig (§ 85a Abs. 2 ZVG).
Das bedeutet konkret:
Achtung: Auch im zweiten Termin gilt weiterhin das geringste Gebot als absolute Untergrenze. Es setzt sich aus den Verfahrenskosten und den bestehenbleibenden Rechten (z. B. Grundschulden im Rang vor dem betreibenden Gläubiger) zusammen.
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Strategische Überlegungen für Bieter
Die Wertgrenzen sollten bei der Bietstrategie unbedingt mitgedacht werden. Folgende Punkte sind besonders relevant:
- Verkehrswertgutachten sorgfältig prüfen: Nicht selten liegt der tatsächliche Marktwert unter dem gutachterlichen Wert – oder darüber.
- Termin-Historie recherchieren: Handelt es sich um einen ersten oder bereits einen Folgetermin?
- Gläubigerstruktur analysieren: Wer könnte einen Antrag nach § 74a ZVG stellen?
- Bargebot kalkulieren: Zusätzlich zum Meistgebot sind 10 % Sicherheitsleistung (§ 68 ZVG) sowie Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer und Gerichtskosten einzuplanen.
Häufige Fehler von Erstbietern
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Beispielrechnung: So wirken sich die Grenzen aus
Ein Einfamilienhaus wird mit einem Verkehrswert von 300.000 € in der Zwangsversteigerung angeboten.
- 5/10-Grenze: 150.000 € – darunter wird der Zuschlag im ersten Termin von Amts wegen versagt.
- 7/10-Grenze: 210.000 € – darunter kann ein Gläubiger die Versagung beantragen.
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Fazit: Wertgrenzen verstehen zahlt sich aus
Die Verkehrswertgrenzen bei Zwangsversteigerungen sind kein juristisches Beiwerk, sondern ein zentrales Steuerungselement im gesamten Verfahren. Wer die Unterschiede zwischen der 5/10- und 7/10-Grenze kennt, kann Chancen besser einschätzen, Risiken minimieren und im entscheidenden Moment die richtige Bietentscheidung treffen. Besonders im zweiten Termin, wenn beide Grenzen entfallen, ergeben sich attraktive Kaufgelegenheiten – vorausgesetzt, man ist gut vorbereitet.
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